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Werbung kennzeichnen – Blogger-Relations & Unternehmen

Ein Slogan Werbung kennzeichnen beim Product Placement

Einige Blogger wundern sich, wieso sie von Unternehmen nicht angeschrieben werden. Neben der eigenen Reichweite und der Qualität des Contents kann dies rechtliche Ursachen haben. Andere Blogger wiederum erhalten von Unternehmen Produkte, um diese in ihren Beiträgen bzw. sozialen Kanälen einzubinden. Dies ist eine normale Vorgehensweise der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bloggern, die unter dem Titel „Blogger-Relations“ läuft. Als Blogger freut man sich natürlich über die erhaltenen Produkte, dennoch sind hier einige rechtliche Dinge zu beachten, wie zum Beispiel die Frage, ob man Werbung kennzeichnen muss oder nicht.

In diesem Artikel zeige ich, wie ihr euch rechtlich absichert und es Unternehmen einfacher macht, euch zu kontaktieren. Im deutschsprachigen Raum gibt es gesetzliche Vorgaben, die unter dem Namen „Trennungsgebot“ und „die Vermeidung von Schleichwerbung“ laufen. Es ist klar, warum Unternehmen auf uns Blogger zurückgreifen: während klassische Medien in ihrer Reichweite oft rücklaufende Zahlen zu vermelden haben, erfreuen sich Blogger einer wachsenden Beliebtheit. Blogger wirken authentisch(er) und sind damit die besseren Markenbotschafter.

Wieso Unternehmen keinen Kontakt zu Bloggern aufnehmen

Die Hauptgründe dafür können sein: mangelnde Reichweite des Blogs, Mangel an Qualität der veröffentlichten Beiträge oder das Unternehmen erfährt nicht von deinem Blog. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, wieso Unternehmen bei der Kontaktaufnahme vorsichtig sind: die Gefahr einer Abmahnung! Dies erkläre ich nachfolgend genauer.

Ein Unternehmen nimmt mit dem Blogger Kontakt auf

Blogger, die unseren Ehrencodex eingebunden haben, machen Firmen darauf aufmerksam, dass sie bereit für Kooperationen sind. Die Firma kann so bedenkenlos Kontakt mit dem Blogger aufnehmen und ist dabei rechtlich abgesichert. Ohne den ausdrücklichen Hinweis auf Kooperationsbereitschaft auf eurem Blog, könnte eine Firma bei Werbeanfragen rechtlich belangt werden. Ungefragt zugesendete E-Mails seitens der Firma oder ungefragt zugesendete Produkte (was sowieso nicht geschehen sollte) fallen unter die Grundsätze des E-Mailmarketings und sind auch gesetzlich als Spam abmahnbar (§ 7 Abs.2 Nr.3 UWG). Der Ehrencodex ist daher eine gute Möglichkeit für Blogger, es den Firmen hier leichter zu machen und diese rechtlich abzusichern bzw. zur Kontaktaufnahme aufzufordern.

Auch wenn wir persönlich noch nie den Fall hatten und alles tun, um Abmahnungen zu vermeiden, soll es hier erwähnt sein: wenn eine Firma laufend ungefragt E-Mail-Anfragen schickt, ihr euch belästigt fühlt und die Firma auch nach Aufforgerung die Zusendungen nicht abstellt, ist eine Abmahnung der Firma möglich.

Ein Unternehmen schickt dem Blogger Waren

Solltet ihr ungefragt Waren einer Firma erhalten, seid ihr nach § 241 a BGB nicht verpflichtet, dieses zu bezahlen, aufzubewahren oder zurück zu schicken. Außerdem gilt: wenn ihr unaufgefordert ein Produkt erhaltet, kann die Firma von euch keinen Blog-Beitrag einfordern, denn dies wäre ein abmahnbarer Wettbewerbsverstoß. Eine Firma darf euch lediglich bitten, einen Beitrag zu schreiben. Natürlich darf eine Firma darauf hinweisen, dass sie keine weiteren Produkte zusenden wird, wenn kein Beitrag verfasst wird.

Blogartikel als Werbung kennzeichnen?

Gemäß §§ 4 Nr. 3 UWG, 58 Abs. 1 RStV darf der Blogger das Vertrauen seiner Leser nicht missbrauchen. Dies bedeutet:

  • Als Blogger müssen wir, sobald wir durch wirtschaftliche Vorteile beeinflusst werden, diese Vorteile offen legen. Dies bedeutet, den Beitrag als Werbung also „Werbung/Anzeige“ zu kennzeichnen.
  • Wichtig: benutzt z.B. das Wort "Anzeige" und nicht "Sponsored Post"! Der Grund ist einfach: der englische Begriff ist abmahnbar!
  • Nach dem Trennungsgebot müssen wir redaktionelle Inhalte und wie Beiträge aussehende Werbungen klar voneinander trennen.
  • Achtung: Die Hinweispflichten gelten für alle Medien gleichermaßen - dies bedeutet auch alle sozialen Kanäle.

Wichtig ist hier, dass der Leser den Umfang der Beeinflussung erkennen kann. Dies bedeutet: bei einem freiwilligen Beitrag reicht ein Hinweis auf das Sponsoring. Falls ihr aber vorformulierte Texte erhält oder extra für ein Unternehmen einen Beitrag schreibt, muss der Beitrag klar als Werbung gekennzeichnet werden. Halten wir uns als Blogger nicht an diese Regel (welche übrigens in unserem Ehrencodex klar dargelegt ist), begehen wir einen abmahnbaren Wettbewerbsverstoß.

Product Placement auf YouTube

Hier gilt: Eine Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen ist dann keine meldepflichtige Produktplatzierung, wenn der Wert der Ware unter 1.000 Euro liegt.

In Österreich ist auch die Meldepflicht bei der Medienbehörde RTR/KommAustria zu beachten, sofern der YouTube Kanal gewerblich betrieben wird und Einkünfte aus diesem erwirtschaftet werden. Hierzu findet ihr hier mehr Informationen.

Außerdem empfehle ich euch das nachfolgende Video:

No-Follow Links und Google

Ein weiterer wichtiger (nicht rechtlicher) Punkt ist Werbung und Verlinkung. Hier gilt es die folgenden Verlinkungen mit einem "nofollow" zu versehen:

  • Bezahlte Links / gekaufte Links
  • Bezahlte Werbung / Sponsored Posts
  • Einladungen zu Events
  • Gastbeiträge / Advertorials
  • Links, die thematisch nicht zum Blog passen
  • Affiliate Links
  • Links auf Formularseiten (wie z.B. „Hier anmelden“, „Newsletter bestellen“)
  • Links auf nicht „vertrauenswürdige“ Inhalte oder Inhalte mit einem negativen Bezug

Der Grund hierfür ist einfach: hier geht es um die Google Richtlinie und die Vermeidung einer Abwertung des eigenen Blogs durch Google:

Damit die Suchergebnisse nicht durch bezahlte Links beeinflusst und damit die Nutzer nicht getäuscht werden, fordern wir Webmaster nachdrücklich auf, für solche Links das Attribut nofollow zu verwenden. Die Richtlinien für Suchmaschinen schreiben bei bezahlten Werbelinks einen maschinenlesbaren Hinweis vor. Dies ist vergleichbar mit der Kennzeichnung von Werbung in Online- und Offlinemedien gegenüber den Verbrauchern. So werden beispielsweise ganzseitige Werbeanzeigen in Zeitungen häufig durch die Überschrift „Anzeige“ gekennzeichnet (Quelle: Google Richtlinien)

Antworten auf Werbefragen in sozialen Medien

Hier könnt ihr ein kostenloses PDF mit dem Titel "Antworten auf Werbefragen in sozialen Medien" herunterladen.

Herzliche Grüße,

Matthias

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Quellenangaben zum Thema Werbung kennzeichnen

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Matthias A. Exl, MBA arbeitete viele Jahre erfolgreich im Ausland in leitenden Positionen internationaler Konzerne. Es folgte eine Phase der Neuorientierung, in der sich Matthias die Frage stellte, ob Geld, Status und Macht tatsächlich glücklich machen können. Im Streben nach Werten und Sinn verlagerte Matthias seine Tätigkeit in den NPO Bereich. Matthias war Gründer der gemeinnützigen und mildtätigen Organisation Herzenssache®, Initiator des erfolgreichen Zauberwald Projekts und ist publizierter Autor (vgl. „Befreie dich selbst! Über die Kunst wahrhaftig zu leben“, 2008). Heute arbeitet Matthias als Spezialist für digitales Marketing, freier Journalist, bloggt auf https://befreie-dich-selbst.com über philosophische Themen und ist Gründer von Two Wings und Digicube.

Kommentare 8

  1. Hallo,
    das ist ein schöner Beitrag über ein sehr wichtiges Thema. Ich habe zu diesem Thema auch bereits einen Beitrag verfaßt, der auf großes Interesse gestoßen ist. Ich sehe jedoch immer wieder, dass Blogger ihre Beiträge nicht kennzeichnen…es besteht also weiterhin Aufklärungspotential (teilweise aber auch bei den Auftraggebern).
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

    1. Post
      Author

      Liebe Anja,
      danke für deine Zeilen. Vielleicht schreibst du noch einen Kommentar mit einem Link zu dem Beitrag? Dieser würde sicherlich viele interessieren.
      Herzliche Grüße,
      Matthias

  2. Danke für diesen hilfreichen Post! Viele Blogger (wie auch ich) kennen sich rechtlich auf dem Gebiet nicht so aus und können sehr von euerm Wissen profitieren, danke! :)

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  3. Ich finde es absolut richtig, dass ihr da nochmals drauf hinweist! Auch ich kooperiere hin und wieder mit meinem Blog und habe da schon viele tolle Kooperationen gehabt. Aber wenn mich Firmen anschreiben, dass ich doch bitte einen Dofollow-Link setzen soll, dann gruselts mich erst und die Firma bekommt eine nette aber deutliche Absage von mir :-) Kaufen lasse ich mich nicht – aber scheinbar genug andere :-(

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      Danke dir für deine Gedanken! Sorry, dass ich erst jetzt schreibe, aber dein Kommentar ist leider im falschen Ordner gelandet… :) Auch wir gehen so vor wie du, herzliche Grüße, Matthias

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